Ohne Mitte kein Rand

Das Problem der wissenschaftlichen Psychologie besteht darin, daß sie Qualitäten in Quantitäten überführen muß. Um ein Merkmal oder ein Ensemble an Verhaltensweisen als krankhaft, abweichend oder ungewöhnlich identifizieren zu können, braucht sie Normwerte. Seriöserweise beruhen diese auf einem Verteilungsdiagramm, das die Wahrscheinlichkeit abbildet, mit dem im jeweiligen Kontext zu rechnen ist. Der Einzelfall wird in die Gauß’sche Normalverteilung eingerechnet, abgeglichen und entsprechend qualifiziert. Gäbe es die anderen nicht, wäre niemand verrückt. Das gibt zu denken, zugleich ist der Gedanke derart banal, daß einem spontan nichts mehr einfällt. Wo steckt das Problem? Vielleicht darin, daß die Normalen die Norm bestimmen. Doch darin besteht der Sinn solcher Zuschreibungen: normal, Norm. Es bedeutet gesetzgebend, Maßstäbe setzend, maßgeblich. Deshalb sehne ich mich manchmal nach anderen Menschen.


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