Fehlt noch Musik

Jeder Glaube wirkt anfangs ‚lächerlich‘ – und am Ende seiner Karriere wird er erneut so wirken. Das Phantastische und Faszinierende an ihm ist sein stärkstes Element, das Unglaubliche bezaubert und zieht die verlorenen Schwärmer an. Insgeheim ahnen oder fürchten die Menschen, daß sie wenig wissen und, hin und wieder, auf Offenbarungen angewiesen sind. Was sich wie und für wen offenbart, bleibt dabei undeutlich – für den einzelnen und auch das Kollektiv. Zu glauben bedeutet, kaufmännisch ausgedrückt, einen Kredit auszustellen: auf die Zukunft, die Ungewißheit und eine Größe namens Schicksal. Es gleicht einer Wette auf ein Pferd, von dem niemand weiß, ob es zum Rennen überhaupt antreten kann. Man wirft sich in etwas hinein, wie in ein Meer oder eine Liebe. Dieser offensichtliche Kontrollverlust tut gut, denn im Kontrolliertsein erfährt sich der Mensch als limitiert, als engherzig und kleinbürgerlich, als Schwundwesen. Im Glauben lodert er auf und verbrennt auch. Das Phantastische ist längst zurück.


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