Der Montagnachmittag begann betrachtenswert: Streit und Schlägerei in der U7 am Hermannplatz. Langes Warten auf das Eintreffen der Polizei. Die Sicherheitsdienstleute mußten überbrücken, schlecht bezahlt und notdürftig ausgebildet. Um die Streitenden bildete sich ein Pulk, Meinungen entstanden, Zuschauer und Zuhörer bildeten Gruppen. Aufgeregtheit lag in der stickigen Luft der großen unteren Abfahrthalle, gelb-grau gekachelt, ein Säulen- und Spannbetontempel des unterirdischen Schienenverkehrs. Während geschrien und gerempelt wurde, überlegte ich, ob es lohne, ebenfalls dorthin, wo es brannte, zu gehen – um mir ein Bild vom Geschehen zu machen: journalistisch, dokumentarisch, anthropologisch. Entschied mich dagegen. Andere filmten bereits oder machten Schnappschüsse. Aufbewahrt für wer weiß wann und wozu, man kann ja nicht wissen. Dann fuhr auch die Bahn endlich weiter, zwölf Minuten verspätet. Ich hatte einen Termin, hörte American Aquarium, Me + Mine vom Album Lamentations, zur Lage eines Landes, das wählen soll muß kann darf.
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