Stiller von Max Frisch wiedergelesen im Garten, kurz nach acht Uhr. Die ersten zehn Seiten, kein uninteressanter Text, wie gewohnt Identität thematisierend. Ich wollte weiterlesen. Da kamen die Krähen und schwirrten über mir, flogen in wechselnden Formationen, überkreisten den Ort, an dem ich saß. Ich hörte das Geräusch ihrer Flügelschläge und machte die Gartenkrautsammlerin darauf aufmerksam, die kurz aufsah und ebenfalls staunte, was sich dort oben, am dunkelnden Himmel, angesammelt hatte und weiterzog. Mir erschien es wie eine Offenbarung, bedürftig wie ich bin. Die Krähen zogen Runde um Runde, vereinzelte Tiere schlugen schnell noch hinzu oder eilten nach. Und schon kamen sie wieder, kreisten links und rechts herum, überflogen Dorf, Neubausiedlung und Wald. Noch eine halbe Stunde später eilten versprengte Krähen nach, dorthin, wo die anderen in Schlafbäumen die Nacht verbringen. Diese Verspäteten schrien nicht, doch ihr Flügelschlag war gut zu hören. Ich hatte das Buch längst fortgelegt, sein Titel ist eine Steigerung.
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