Das politische Denken und Sprechen ist heilsam insofern, als man in ein Gemeinsames gezogen wird. In ihm zählen wenig der persönliche Wunsch oder die private Vorliebe; alles Ausgesagte muß sich konsensfähig halten oder dissenskräftig geben. Man kann nicken oder Kontra geben, drittens in beide Richtungen geben oder vermitteln. Man lebt im Relativ. Im Politischen sind Trennung und Spaltung stets mitgedacht. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich usw. Raum für Paranoia und Kinderängste, Anschluß- und Schutzbedürfnis, Versagungen, Enttäuschungen. Wie bei der Liebe geht es um existentiell ALLES. Daher kein Spiel, sondern Entscheidungs-, wenn nicht Endkampf. Einer von vielen, mag man retrospektiv hinzufügen. Doch dies erst, wenn die Wunden ausgeblutet sind. Politik streut Gift in die traute Runde des Abends, denn Politik spaltet. In der Polis stehen selten zwei auf einer Parzelle, und wenn sie so stehen, werden sie sie sich streitig machen. Man muß lernen, von sich abzusehen, dann mag es klappen. Doch nicht zu sehr, sonst wird man unglaubwürdig. Geben und nehmen, konziliant sein. Das ist viel, fast schon groß.
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