Ich weiß auch nicht, wie ich mit diesem wir umgehen soll. Es ist eingemeindend, übergriffig, manipulativ. Schreibe ich wir, mogle ich mich in Gemeinschaft und kassiere sie, die anderen, ein – oder gebe mich selbst bei ihnen ab. Das gute alte Ich ist solider und ehrlicher gebaut, leider aber ziemlich klein oder, gegenteilig, prätentiös. Wenn er „wir“ schreibe, schrieb Friedrich Nietzsche, sei das ein Ausdruck von Bescheidenheit. Er meinte nicht den pluralis majestatis, sondern den pluralis modestiae. Wenngleich er dieser sogenannten Bescheidenheit eine Spitze gab, die bis heute sticht. Ein Ich muß man sich erstmal verdienen – das Recht dazu, „ich“ von sich sagen zu dürfen. Auch dieser (elitäre) Standpunkt leuchtet ein. Es wird seit Jahrzehnten recht viel „ich“ gesagt, gerade so, als sei das jeweils von Belang. Andererseits – warum nicht? Sollen die Leute doch reden, kann ihnen doch niemand Vorschriften machen. In „allerletzter“ Zeit, die moralisch aufgeplustert ist, vernehme ich häufiger wieder dieses unbestimmte Wir – und fühle mich angesichts dieser Anmache unwohl. Allerdings benutze ich das Wir ebenfalls, und wie mir scheint, etwas zu oft. Ich werde darauf achten. Klar wird vielleicht schon jetzt, warum ich das „man“ mag. Fußballer, Fußballtrainer und Fußballanalytiker (Ex-Fußballer) benutzen gern und ausgiebig das verallgemeinernde „du“. Oliver Kahn hat es mehr als hundertmal zu Gehör gebracht.
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