Versuch über Feigheit

Vorsicht und Angst sind nicht eins. Vorsicht ist geboten, Angst tyrannisiert. Feigheit ist aus anderem Stoff gemacht. Der Feige verläßt den Raum, wenn es interessant wird – oder versteckt sich hinter einem, den er für stark hält. Wer feige ist, meidet wie der Ängstliche jegliche Gefahr, kuscht aber vor Autorität. (Der Ängstliche fürchtet auch sie.) Die Ängstlichen sind mir lieber als die Feigen; letztlich wissen sie gut, was getan werden müßte. Aber die Feigen sind moralisch indifferent, treten niemals für irgend etwas ein, paddeln ständig mit und wechseln die Richtung, wenn das befohlen scheint. Wer zu lange vorsichtig war, muß fürchten, ein Feigling zu sein. Wer die Angst in sich groß zieht und hätschelt wie einen Fetisch, gerät außer Sicht seiner selbst. Die Mutproben waren zu etwas nutze, auch wenn die Lehrer und manchmal sogar die Eltern entsetzt waren. Man muß über die Linie, sonst wird sie zur ewigen Grenze.


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