Eine meiner wichtigsten Übungen – mich nicht dauernd deprimieren zu lassen. Mag sein, die Weltlage ist deprimierend, das Virus-Geschehen bedroht uns (so oder so), die Menschheit will nicht vernünftig werden. Diese großen Worte mit diesen großen Verallgemeinerungen – auch sie sind bloß Menschenwerk, zur einen Hälfte Pfusch, zur anderen heißes Bemühen. Mag sein, daß das Lied der Autonomie ein schwaches ist, kaum hörbar unter dem Getöse und Geläut des geschäftig Allgemeinen. Mag sein, daß die meisten nur noch schwarz sehen, in Erwartung eines gut gefilmten Untergangs in Staffeln und Episoden (mitspielen und untergehen, vorher berühmt sein, und sei es für einen Tag). Mich davon und vielem anderen nicht deprimieren zu lassen, ist eine meiner wichtigsten Übungen. Ich versuche mir und jedem Tag eine neue Chance zu geben, und die Übel, die mein Geschick kreuzen, sollen mich nicht zu sehr ablenken. Ich bleibe unterwegs, und was mir widerfährt, steht mir wohl zu. Das Leben ist nicht gerecht, sagen sie. Aber davon bin ich gar nicht erst ausgegangen. Ein Mensch kann gerecht sein – siehe Das Göttliche (Goethe-Gedicht).
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