Angst flattert auf und krächzt laut von den dunklen Bäumen

Die eigenen Bedürfnisse bestimmen vielerlei. Ich suche nach dem, was ich brauche. So ergeht es mir mit Poeten und Philosophen. Ich brauche Kant nicht, er mich noch weniger. Zusammenfassungen reichen, um mich ausreichend zu belehren. Sollte ich ihn benötigen, ist er hoffentlich griffbereit oder in Reichweite. Ich scheine Nietzsche gebraucht zu haben, jedenfalls fraß ich ihn im Alter von fünfzehn bis siebzehn. Ob er mir gut tat? Natürlich nicht – ich war gezeichnet für etliche Jahre. Aber ich hatte durchaus nicht die Wahl. Da wir deutlich unterschieden sind, unterscheiden sich auch unsere Bedürfnisse. Mich kräftigen und befeuern die Außenseiter, die Rabauken, die Seiltänzer. Andere benötigen Mäßigendes, Zurechtlegendes, Statuierendes. Was soll daran falsch sein? Wer ins Gewitter will, soll das tun. Wer sich verschanzen möchte mit einem Grundbestand an unerschütterlichen Wahrheiten, hat ebensolches Recht. Mir gefällt übrigens eine Welt, in der jeder tut, was er wirklich möchte. Hinzugefügt: ich bin kein Anarchist. Mich interessiert nur, wie wir uns verhalten, wenn wir uns kennen und niemand mehr aufpaßt, was passiert, wenn wir uns tatsächlich begegnen.


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