Wohin man sich wirft

Später einmal, wenn die aktuelle Virus-Krise durchstanden ist, wird es interessant sein, eine Untersuchung anzustellen, wer in der Krise wie reagiert und agiert hat. Aus welchem Denken speisen sich die aktuellen Maßnahmen, welche Auffassungen von Staat und Gesellschaft kommen in ihnen zum Tragen, welches Menschenbild läßt sich erkennen?

Derzeit läßt sich das nur erahnen. – Ich sortiere nur die strengeren gegen die milderen Stimmen. Woher nimmt sich „die Strenge“ (sie ist nichts gegen die der Nachbarländer), wie begründet sich „die Milde“ der konkurrierenden Fraktionen? Woher nehmen, allgemein gefragt, diejenigen, die etwas zu entscheiden haben, ihre Überzeugungen und Entschiedenheiten?

Wissenschaftliche Berater haben beide Seiten (sofern es Seiten gibt). Nur welcher Expertise folgen sie jeweils und warum? Nicht schwer zu erraten – man neigt dieser oder jener zu, aus den tiefen Gründen eigener Erfahrung. Die sind solche der Herkunft und des eigenen Bewußtseins. Anders kommen Menschen nicht zurecht, anders können sie nur unter Verbiegung ihres Wesens, Gewalteinwirkung oder Bedrohung entscheiden.

Laschets Biographie, Söders Biographie, Merkels Biographie, Kubickis Biographie. – Doch nein, sie müssen ja nicht geschrieben sein, und wer wollte sie lesen. Nicht die jeweilige Biographie, das ganze verfluchte Leben bis hierher verursacht die Richtung. Daher nehmen die Genannten ihr Entscheidungsgefühl, nicht anders als wir es täten, befänden wir uns in ihrer Situation. (Machtgründe kommen noch hinzu, aber die lassen sich viel leichter erkennen und benennen. Die sind viel rationaler, übrigens auch gefährlicher.)


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