Nachts noch Notwehr

Im Vorortzug eingenickt. Rechtzeitig aufgeschreckt. Noch eine Station. Todmüde und erschöpft von diesen Tagen. Alles strengt doppelt an. Und … sieh uns doch nur: wie wir da sitzen mit vermummten Gesichtern, jeder eingekapselt in ein unsichtbares Cockpit, auf den kleinen Bildschirm des Geräts blickend, dort auf Nachrichten oder Meldungen wartend, Musik im Ohr, isoliert. Und der Winter hat nicht einmal begonnen. Und der Mut ist fast aufgebraucht, bald schon das Durchhaltevermögen. Die Leute werden giftig; eine ältere Frau schlug heute an der Fußgängerampel nach einem Radfahrer, weil der auf dem Gehweg fuhr; sie war gar nicht mehr zu beruhigen; eine Windböe fuhr ihr in die rotgefärbten Haare, die schon dünn sind von all dem, was ihnen angetan wurde. Obdachlose schleichen durch die Bahnen und ähneln täglich mehr Gespenstern oder Figuren aus einem geschmacklosen Horrorfilm. Die obere Plattform der U-Bahnstation Hermannplatz leergefegt. Zwischen den Gitterstäben des Treppenabgangs zum Karstadt-Kaufhaus liegt gelb ein aufgebrochenes Überraschungsei. Was da wohl drin war? Ich photographiere es und kriege noch einmal die Kurve.


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