Diese Zwiegespaltenheit halte ich für ein Kennzeichen des erwachsenen Menschen. Ich schreibe das auch, um einmal etwas Positives und schwankend Haltbares für uns zu formulieren. Die offenkundige Ambivalenz streßt das auf Eindeutigkeit und Festlegung strebende Bewußtsein. Ja oder nein, links oder recht, vorn oder hinten usf. Vor hundert und mehr Jahren löste man das dezisionistisch und schlug sich kampfbereit und berauscht von eigener Überzeugtheit auf diese oder jene Seite. Ich verstehe das Begehren, aber zu Erfüllung gerät es nicht. Meistens starben diese Lebensmüden; möge es ein Rausch gewesen sein. Niemand kann über sie richten, sie waren trunken, ertranken darin. Wie ich mich in meiner Zwiegespaltenheit verhalte, erlebe und registriere ich. Auswandern oder nicht? Frag mich nicht, sonst fange ich an zu reden.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.