Notizen über Menschen, Menschen in Notizen. Menschen Menschen Menschen. Breites und flaches Wort, ebenerdig, erdangeschmiegt, haftend. Drei Erhebungen gen Himmel, Aussichtspunkte. Nach unten nichts, kein Wurzelwerk, also flächenhaftend. Das sind doch bloß Buchstaben. Stäbe. Auf Arte TV eine Dokumentation, wie aus Bilddarstellungen schließlich Buchstaben wurden. Rebus. Schreibe ich einen Namen (und sage ihn nicht nur), ergibt sich mir ein Bild, eine Landschaft. Da stehen Figuren nebeneinander und halten sich, so gut sie können. Ihr Zusammenhalt ist flüchtig, aber wichtig. Die Reihenfolge ihres Aufgestelltseins entscheidet über Sinn und Unsinn ihrer Plazierung. Sie gruppieren sich zu Wörtern, die ergeben Bedeutungen. Einzelne Bedeutungen summieren sich zu Aussagen. Das ist reinste Zauberei – zugleich das Verführerischste und Gefährlichste, was der erdnahe, aber den hohen Himmel anpeilende Mensch sich ausdenken konnte. Denn fortan meint er, mit den Wörtern die Sachen selbst zu beherrschen, und sei es nur halbwegs. Ich kann bezeugen – es funktioniert nicht. Aber es bewegt und bewirkt. Derzeit studiere ich das Zusammenspiel von Politik und Publizistik am Beispiel Corona. Alles nur Wörter. Buchstabenfolgen. Bedeutungen. Zeichenhaftes. Material für Ausgrabungen.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.