Anstelle des Meeres

Erst Strukturalismus, dann Poststrukturalismus. Moderne und Postmoderne. Denkrichtungen, Trends, Forschungsgelder, Aufmerksamkeitslenkung. Ökonomie und Langeweile. Wer vor fünf Jahren Karriere machen wollte, setzte auf das, was sich mittlerweile durchgesetzt hat: Geschlechterdebatte, Sprachregelung, Umverteilung von Gerechtigkeitsansprüchen. Das sind die Ladenhüter von morgen, doch sie hinterlassen etwas, das ihrem Auftauchen, Emporschweben und Erlöschen eignet. Spurenelemente und Erinnerungen. Die Gegner verbeißen sich etwas zu sehr und verstehen nicht, daß alles, was auftaucht, etwas zu bedeuten hat, also zu zeigen vermag. Geschlechtergerechtigkeit mag ein häßliches Kompositum sein und besser in den Seninarraum passen als in die Lebenswirklichkeit wirklicher Menschen. Aber daß die Frage gestellt wird, wem was gebührt und aus welchen Gründen, ist jederzeit berechtigt und führt uns, wenn wir sinnvoll sprechen und keine Angst haben, in ein gemeinsames Wissen und Können. Ich weiß gern, wem ich was verdanke. Für Parolen möchte ich mich nicht mehr begeistern müssen. Sie scheppern. Wenn ich selbst welche in die Welt gesetzt haben sollte, gefällt mir das nicht sonderlich.


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