Sich helfen

Das Glück beim Händewaschen stammt von Joseph Zoderer. Ich las den Roman vor … ist lange her. Der Titel hatte mich gelockt, ich erwartete zen-buddhistische Einsichten. Die waren mir interessant. Ich kritisiere unser Gesellschaftsmodell, seit ich in ihm zu denken begonnen habe. Manchmal will es mir erscheinen, als käme ich aus einer anderen Kultur, zur Hälfte vielleicht. Zum Beispiel daß mir Zeit nichts bedeutet oder materieller Besitz überfordert oder ich mir das Ende nicht merken kann, weder im Film noch im Buch. Daß ich das Künstliche nicht sonderlich schätzen kann. Was wiederum nicht bedeutet, daß ich auf elektrisches Licht verzichte. Aber eine Kerze ist an; ohne Kerzenlicht wäre ich verloren. Wie die anderen es ohne aushalten, ist mir ein Rätsel. Es fällt ihnen nicht auf, daß etwas fehlt. Diese kleine Flamme am Docht steht für Wärme und Behaglichkeit, sie ganz allein vermag einen Raum schon zu verzaubern. Ob das bereits „romantisch“ ist, weiß ich nicht. Wenn man darunter „sentimental“ versteht, bin ich mir unsicher. Ich möchte nicht als rührselig dastehen, nur weil ich gerührt bin. Rührseligkeit ist Kitsch, also künstliches Aroma, falsches Gefühl. Walt-Disney-Filme, Heimatfilme der Fünfziger mit Förstern im Silberwald und Dirndlmädchen. Wenn im Film die Geigen schluchzen.

Aber ich wollte über das Glück schreiben – und sollte vielleicht lieber von der Freude sprechen. Beim Betreten der Küche empfand ich Freude. Wie sie dort versammelt standen, die Gegenstände des Gebrauchs. Eine Blüte steht seit ein paar Tagen im Sherryglas auf der Fensterbank und will einfach nicht verblühen. Aus der Avocado-Nuß stößt ein grünes Stengelchen nach oben und bildet kleine Blättchen aus. Die Kaffeemaschine springt an und brummt wie ein alter Rasenmäher. Der Teller im Abwaschbecken zeugt vom gestrigen Mahl. Tomaten liegen rot und rund beieinander, zwei Bananen krümmen sich vor Vergnügen. Was die Welt alles hergibt. Man kann es anschließend noch einmal mit dem Unglücklichsein probieren. Freudlosigkeit ist noch schlimmer. Sie ähnelt einer Höchststrafe oder ist sie bereits. Dem Freudlosen ist nichts gut, im Innern ist etwas zerstört oder kann nicht mehr antworten auf die Herrlichkeiten der Welt. Er sitzt in sich fest, steckt tief unten in der Kummergrube. Man kann ein Seil hinunterlassen.

Der Satz, der mir beim Betreten der Küche einfiel, lautete: Das Glück ist überall, wenn man es läßt.


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