Das Wattenmeer läßt sich vorführen, aber das täuscht. Alles Gezeigte schlägt zurück.

Wenn ein Spielfilm die Bilder, die aufgerufen werden, nur benutzt, um über sie etwas erreichen zu wollen, ohne dabei den einzelnen Bildern nachzugehen, sie also einsetzt, damit sie die Argumentationskette schließen, beraubt er sie ihrer Würde. Nicht so sehr die Bilder selbst, sondern das, was sie zeigen. – Die Sekretärin, der es nicht gut geht, stellen sie vor das graue Wattenmeer. Das Wattenmeer soll zeigen, daß es ihr nicht gut geht: graue endlose Leere. Verweile doch ein bißchen, Kamera. Nein, tut sie nicht. Schnell weiter. Ich habe nichts gesehen. (Das Boot, Serie, erste Staffel, achte Folge).

Auch hier in Neukölln kann ich klick-klang-klong filmische oder photographische Beweismittel zusammenkleben und habe eine Wahrheit bewiesen oder unterfüttert. Dokumentarfilme mögen so funktionieren, meinetwegen, aber Spielfilme mit künstlerischem Anspruch … Kunst zu treiben heißt doch nicht, Erstbestes zu glauben. Wenn Künstler wie alle Welt reden, zeigen, glauben, basteln, schrauben, mutmaßen, werkeln usw. sind ihre Werke überflüssig. Es sei denn, sie schaffen eine gültige Form. Über die wird nicht vorher in Gremien abgestimmt, sie ist unbestimmbar. Aber taucht sie auf, vermittelt sich das. Dann ist etwas gelungen.


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Das Wattenmeer läßt sich vorführen, aber das täuscht. Alles Gezeigte schlägt zurück.

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