Schnell in den Untergrund

In der Schnellbahn hat jetzt jeder vier Sitze für sich. Die Frau vor mir sortiert sich und findet keine Ordnung. Ich sehe sie nur von hinten, aber was ich von hinten sehe, beunruhigt mich. Sie wendet den Kopf nach links, dann nach rechts. Zurück nach links nickt sie ihrem Spiegelbild in der Scheibe zu. Zweimal genickt, den Kof nun geradeaus, reißt sie sich den grünen Hut vom Kopf und raschelt in ihrem Haar. Irgendeine Strähne scheint gefühlt falsch zu liegen, sie legt sie dahin, wo sie bereits lag, und greift wieder nach ihr, um sie erneut dorthin zu legen. Ein Impuls drängt sie nach rechts, wo neben ihr auf dem Sitz, für mich nicht einsehbar, ihre Tasche steht. In der kramt sie herum, ruck- und stoßweise, ich sehe die Schulter in energischer Bewegung. In diesen Bewegungen stecken Unzufriedenheit und Mißmut, vielleicht schon Verzweiflung. Der Mann auf den vier Sitzen jenseits des Mittelgangs fängt plötzlich an zu trommeln, unrhythmisch und laut. Es gibt keine Musik zu seinem Klopfen, er trägt keinen Kopfhörer, in seinen Ohren steckt nichts. Aber er trommelt und klopft, als sei dies die Lösung. Drei bis vier Stationen verhielt er sich unauffällig, aber jetzt reitet ihn was. Piff-paff-de-dack-paff. Das kommt von mir, der ich ihm etwas Struktur geben möchte. Schon springt er auf und steigt aus. Panzerknackertyp, untersetzt und glatzköpfig, könnte alles sein, Taxifahrer, kleiner Zuhälter, Hundezüchter. Auch die nervöse Frau mit dem Jägerhut hüpft hoch und eiert davon. Die beiden könnten sich doch zusammentun, freut sich in mir das Verbindende.


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