Die integrativen Leistungen des Ich sind erheblich. Wo sollte all das hin, wenn es dort keinen Platz hätte? Ich hält zusammen, was dorthin möchte und hierbleiben muß. Ich klammert Mut und Angst zusammen, Vergangenheit und Gegenwart, Erfahrung und Hoffnung. Das Ich ist Bewußtsein von sich selbst und Bewußtsein davon, nicht du oder sie oder er zu sein. Ich ist das Einsamkeits- und Verlassenheitsgefühl eines Tages im Leben, wenn die Rücklichter des Zuges in der Ferne verschwinden und eins werden mit den Parallelen des Schienenstrangs. Nie wieder einem Zug nachwinken oder dem Arm mit der Hand daran, die sich bewegt und winkt, solange man nur irgendwas erkennen kann. Mag ja sein, daß ein Ich eines Tages aus allen Nähten platzt. Zu viel hingestopft. Ich ist der Stolz, wenn einen die anderen verletzen wollen – Ich ist der Sieger oder der Verlierer. Ich ist das Gefäß, das herumgereicht werden kann, in das eingetreten wird wie in ein Gasthaus oder das Tritte abbekommt wie eine Regentonne. Ich ist die letzte Bastion des Flüchtigen, aus dem sie die Scheiße herausprügeln wollen oder eine Information über das Geldversteck unter der Treppe zum Schafott. Ich ist verletzt und verbunden, zugetackert und notdürftig versorgt. Es gibt welche, die mußten vor Schmerzen ihr Ich verlassen und transzendierten sich unter die Decke der Folterstätte, um zurückzukehren in die Behausung aus Körper und lichternem Rest, nachdem die Peiniger abgelassen hatten von dem, was für sie erreichbar war. Ich ist auch das, was andere du nennen können oder Sie. In Ich läßt sich leben, auch wenn es bessere Orte geben mag.
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