Kontrolle

Das Wort hat eine interessante Karriere genommen – von der Kameralistik (Buchführung) über die Literaturkritik in die angewandte Psychologie. Überprüfung der Einflußfaktoren auf ein eintretendes Ereignis oder einen Zustand. Liegt es an mir, daß die Dinge gut laufen? Bin ich der Verursacher dessen, daß sie schlecht laufen? Was bestimmt und beeinflußt mein Leben oder das eines anderen? Lassen sich diese Einflußgrößen zu meinen Gunsten bestimmen und steuern? Wie läßt sich ein erwünschtes Ergebnis erzielen unter Ausschöpfung allen Wissens über sein Zustandekommen? Die Ausschaltung des Zufalls ist das wichtigste Ziel der Kontrolle, denn die erkennbaren Gegner sind längst ausgeschaltet. Kontrollverlust wird als schmerzhaft empfunden, könnte aber auch heilen. Es ist nicht die Aufgabe eines einzelnen Menschen, solchen Überblick zu besitzen und ihn steuernd an anderen auszuüben. Zum Glück spielen die anderen auch nicht lange mit. Der Kontrollzwang ist unfrei, weil angstgeboren. In unserer derzeitigen Zivilisation gehört er zur Grundausstattung. Angst sitzt am Ruder, aber Angst kennt keine Richtung, außer raus aus der Angst. Übrigens gibt es keine Richtung, doch das nur unter uns.


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