Regen tröpfelt auf die Fensterbretter aus Zinkblech. Nachts ist es still wie auf dem Land oder vor der Erfindung von Tier und Mensch. Die Urknall-Theorie wackelt, las ich vorhin. Daß sie überhaupt in Betracht gezogen wird, machte mich bereits stutzig, als ich ein Schüler war. Denn was war vor dem Knall? Ernst Jünger notierte, eine solche Vorstellung sei typisch für ein Zeitalter, das mit Explosivstoffen hantiert. Es wird noch immer wenig verstanden, daß die Wissenschaften einer bestimmten Kultur zugehören und sich vergeblich mühen werden, außerhalb ihrer zu stehen. Aber der Universalismus … Eine imperiale Idee, wie mir scheint. Die weltumspannende Geltung eines Prinzips ohne Herkunft? Die Naivität einer solchen Annahme ist süß, ich bin oft gerührt. Okay, beschießen wir also weiter die Materie, vielleicht wehrt sie sich. Übrigens bin ich dankbar für die lebenstauglichen Beiträge aller Zeiten und Zünfte – ein Teil meiner Existenz beruht darauf und ich weiß das.
Nachgetragen: Eben lese ich, die Philosophin Corine Pelluchon plädiert für einen nicht hegemonialen und ökologischen Universalismus und spricht von einer „neuen Aufklärung“. Sie sagt im Interview mit Elisabeth von Thadden: „Man sollte sich nicht auf eine arrogante Vernunft verlassen wie in dem alten Universalismus. Der war falsch, weil er sich hinter sogenannte allgemeine Prinzipien flüchtete, um die eigene Kultur durchzusetzen. Aber das Kind, das in Gefahr ist, ist die Vernunft, die uns Zugang zu verallgemeinerbaren Benchmarks gibt, die notwendig sind, um den Menschen ein gemeinsames Projekt vorzuschlagen. Die endgültige Ablehnung des Universalismus führt zum Relativismus, was der Antiaufklärung zugutekommt, deren Hass auf die Vernunft eine Kriegswaffe ist, um das Projekt einer hierarchischen Gesellschaft zu etablieren und die Unterwerfung eines Teils der Menschheit durch einen anderen Teil zu rechtfertigen.“
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