Das Frühjahr legt die Stimmungen frei. Wir sollen leben und wollen wohl auch. Aber darf man denn schon? Leise Zuversicht, dunkle Prognosen. Depression und Paranoia. Leben wie unter einer Asphaltschicht, nur daß ich nicht weiß, wie es sich anfühlte, unter dem Friedhofsweg ein Dauerstadium zu sein und eines schönen Tages pflanzlich durchzubrechen. Erst bildete der Asphalt kleine Buckel, dann entstand ein Riß, endlich kam Grün hervor. Die Kraft des beharrlichen Lebens. Unter dem Pflaster liegt der Strand, dichteten die Achtundsechziger. Als ich die Buckel und die Durchbrüche auf dem aphaltierten Friedhofsweg studierte, wußte ich noch nichts von Achtundsechzigern. Ich war ein Kind und besuchte Oma und Opa und meinen Onkel an ihren Grabstätten. Der Weg dorthin war steil und diente im Winter zum Schlittenfahren. (Wir sagten nicht rodeln.) Gott ist der Sinn, wenn es ihn gibt – dachte ich eben in der Küche mit Blick auf den leeren Innenhof, während der Kaffee in die weiße Schale rann. Der Sinn muß alles enthalten können, sonst ist er nicht der Sinn.
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