Ich weiß, wie man geht, aber ich weiß nicht, wie man steht. Soll ich irgendwo herumstehen, stelle ich mich an eine Wand oder an eine Säule und lehne mich an. Dafür sind Wände und Säulen da. Stehe ich vor einem Auditorium, mache ich es mir bequem. Ich muß das tun, um tun zu können, was ich tue. – Ich beobachte die Repräsentanten der Institutionen dieses Landes, wie sie sich schnell noch das Sakko zuknöpfen, ehe sie sich vor Mikrophon, Kamera und „Öffentlichkeit“ stellen. Dieser rechtzeitig geschlossene Knopf, der richtige von den zweien oder dreien, macht es! Die Bewegung, das Sakko zu schließen, wenn man aufgerufen wird und nach vorn tritt, entscheidet darüber, ob man dazu gehört oder nicht. Wer zuknöpft, unterwirft sich, wer es nicht tut, erwartet ein Wunder. Daß partielle und kluge Unterwerfung das Geheimnis des Erfolgs darstellt, läßt sich denken. Man kann natürlich auch zuknöpfen und trotzdem eine Rede halten, die Skandal macht.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.