Wenn jemand in der Familie stirbt, geht das auf dem Dorf seinen Gang. Der Bestatter kommt, der Pfarrer weiß Bescheid, man bespricht die Formalitäten und legt den Termin fest. Voller Service, wenig Fragen. Der Bestatter nimmt Geld, Kirche und Pfarrer erfüllen ihren Auftrag dank Kirchensteuer. – Nun sind aber auch auf dem Land die Dinge in Bewegung geraten. Es ist nicht ausgemacht, daß ein Pfarrer am Grab die letzten Worte spricht. Vielleicht gibt es nicht einmal ein Grab. Sarg oder Urne. Friedhof oder Friedwald. Pfarrer oder professioneller Bestattungsredner. Gottesnähe oder irdischer Abschied. – An ihren Totenkulten erkennt man den Rang einer Zivilisation, sagte mein Großvater. Er war kein Christ und ging, als er wollte. Das Grab war ihm heilig, da legte er sich zu seiner Frau. Die Totenrede hat er selbst geschrieben, damit nichts schiefgeht beim Übergang von hier nach dort. Ein alter Freund hielt sie, auf den war Verlaß. Was er sich von der Zeit danach erhoffte, weiß ich nicht. Vielleicht einfach nur Ruhe und ein Ende der Kämpfe und des inneren Krieges.
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