Die Kerze ist fast abgebrannt. Keine Altarkerze, aber ähnlich groß einst, für viele Stunden gut. Der Docht neigt sich vornüber dem glänzenden Weiher, als möge er trinken. Feierlich-flüssiges Wachs. Eine winzige Feuerstelle inmitten der Welt. Ich mag kaum mehr sein, wo keine Kerzen sind. Anderen scheinen sie nicht zu fehlen, oder sie grenzen sie ein in sogenannten Teelichtern oder stellen sie hinter Glas. Das ist nichts für mich. Elektrisches Licht am Weihnachtsbaum blieb mir erspart. Damals stand kein löschbereiter Eimer Wasser hinter dem Vorhang, es brannte auch nicht. Wir gingen davon aus, daß nichts passiert. Nicht wir, recht besehen, sondern sie – meine Eltern. Im Dorf waren sie bereits modern und nutzten das elektrische Licht auch zur feierlichen Beleuchtung des Weihnachtsbaums. Es kann ja so viel passieren, und praktisch ist es, man kann den Raum verlassen, muß nicht auf die Kinder aufpassen usw. Praktisch ist auch das Kaminfeuer auf dem Bildschirm. Es wurde praktischer all die Jahre, demnach leichter und angenehmer. Vom Mißbrauch oder Unglück her zu denken ist schlau und dient der Prävention. Das erinnert mich an meine fünfzehn Monate beim Militär – da brachten sie uns bei, daß ein offener Spind die Verführung zu Diebstahl unter Kameraden sei. Ich stieg damals gedanklich aus und dachte: Fickt euch. (Sagte man damals bereits?) – Mittlerweile scheint es angenommen zu sein, daß jeder Gebrauch von vornherein durch den möglichen Mißbrauch bestimmt und limitiert ist. Ich sehe keine Tramper mehr auf den Straßen, seit zwanzig Jahren etwa. Ach, das ist ein langes Thema mit wenig Licht. Die leuchtenden Stunden leben von der echten Flamme.
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