Am Rand der Klippe stehen und den Sog der Tiefe spüren. Einen Schritt weiter und es ist vorbei. Blick auf das Meer oder die bewegten Wipfel der Bäume, Blick auf die Dächer und über die Dächer in den Himmel voller Himmelsblau. Unten in den Straßen die Geräusche einer Stadt, Autoverkehr und Menschenstimmen. Am Meer die Schreie der Möwen, an der Steilküste die Rufe der Uferschwalben. In meiner alten Heimat besuchte ich mit Freunden ein altes germanisches Heiligtum, den Hohenstein. Von dort oben geht der Blick weit über das Land, und es nimmt kein Wunder, daß dort eine Kultstätte vermutet oder nachgewiesen ist. Unterhalb der Felsformationen fließt Wasser durch das Blutbachtal. Ich erinnere mich an einen Gedenkstein zu Ehren eines Mannes, der in der Nähe des schmalen Bächleins zu Tode kam durch den Angriff eines Keilers, zweihundert Jahre her. „26-Jähriger stürzt von Felswand in den Tod“, lese ich, Hanoversche Allgemeine, 17.4.2014. Vierzig Meter in die Tiefe, vorher Zeltaufbau, Lagerfeuer, Biertrinken mit zwei Freunden. „Ein Fremdverschulden ist nach Polizeiangaben nicht erkennbar.“
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