Abhilfe

Nacht in einem Hotelzimmer. Fernsehbildschirm größer als ein Gefängnisfenster, schwarz und spiegelnd. Bett, Schrank, Tisch und Stuhl. Auf dem Tisch steht der Bildschirm, davor bleibt etwas Fläche für das Lesen oder Schreiben oder Lösen eines Kreuzworträtsels oder Sudoku. An den Wänden Gebrauchsgraphik mit Lokalbezug. Rattenfänger oder Kyffhäuser oder Semperoper oder Neuschwanstein. Das Hotelbett bretthart, neue Matratze, es gibt eine Wandleuchte. Ich kann sitzend im Bett lesen. Versuche es. Klappt nicht. Das Buch paßt nicht in dieses Zimmer, genauso wenig wie ich in dieses Zimmer passe. Das versuche ich aufzuschreiben, in diesem Zimmer. Die paar Sätze, die ich zustande bringe, klingen, als ließe ich schreiben. Ich möchte nicht in diesem Zimmer sein, aber ich muß. Ich bin hier untergebracht, morgen passiert was. Ich kann hier nicht schlafen, aber ich muß. Ich kann hier nicht schlafen, ich kann hier nicht wach sein, nicht denken, nicht fühlen. Blöde Situation. Ich sollte in die Altstadt gehen, jetzt, kurz nach Mitternacht, da niemand mehr unterwegs ist und die Straßen atmen. Ich sollte dem Fluß zuhören, wie er strömt und stöhnt und seine Last nach vorn schiebt.


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