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Treten Erwachsene in eine Gesprächsbeziehung, beginnt augenblicklich das Lügen. Ein Lügen nicht nach herkömmlichem Verständnis, sondern ein gepflegtes und akzeptiertes Lügen, man könnte sagen: ein Austausch und Abgleich von Wahrheitsversionen, also Zurechtlegungen von Wirklichkeit. Das funktioniert. Denn der Wortinhalt (das Gesagte) zählt tatsächlich wenig. Man will herausgefunden haben, daß es zehn Prozent sind. Würden Menschen, während sie zuhören, nur aufnehmen, was tatsächlich gesagt wird (expressis verbis), wären sie in Kürze abgeschlagen und erledigt. Wir verstehen einander nicht trotz, sondern wegen der Lügen. Denn die Lügen sind nur Patronen oder Fässer, in denen ganz anderes transportiert wird, als draufsteht. Wenn ich also auf die Frage, wie es geht, antworte, es geht mir gut, weiß die andere Person dennoch, daß es mir nicht gut geht (spürt es, riecht es), ist aber nicht gezwungen, mir zu widersprechen und Hilfe aufzudrängen. Kinder sprechen bis zu einem gewissen Alter noch wahr, mit der Pubertät werden sie dann ins Lügensystem aufgenommen und wehren sich. Da ist es gut, wenn es ein paar Leute gibt, die auch als Erwachsene den Wörtern noch zutrauen, daß sie wahrhaft sind. Poeten, Philosophen, heilige Narren.


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