Unterwegs und unberaten

Leiden macht kritisch. – Verdammt wahr. Deshalb war es ein zweideutiges Angebot, als man uns damals aufforderte, unbedingt kritisch zu sein. Wir waren jung und sollten das Erbe der skeptischen, dann der kritischen Generation antreten – kannten aber noch nicht das Leiden, kannten es vielleicht beim Namen, wußten aber nicht, wer oder was es ist. Ein Wohlstandskind kann nur den Wohlstand angreifen – aber will es das? Stehen alle Türe offen, gegen wen sollen sich die Angriffe richten? Mir standen sie nicht offen, oder sie standen offen, aber ich habe nicht bemerkt, daß sie offen standen. Ich dachte stets, sie seien mir verschlossen. Ich denke es noch. In Wahrheit warten sie hinter den Türen auf einen wie mich. Endlich, könnten sie sagen, endlich bist du da. Aber ich kann mich täuschen. Ich gehe sogar davon aus, daß ich mich täusche. Es mag die Türen geben, aber dahinter wartet niemand. Sie, die dort warten, nehmen, wie es kommt. Ich denke, daß Menschen sich die Probleme (Leiden) schaffen (schöpferisch), die sie brauchen. Um an ihnen zu wachsen – oder zu vergehen. Man soll niemandem ein leichtes Leben wünschen, denn das bedeutet, um Erfahrungen gebracht zu werden.


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