Bringt der Geist nicht das Gehirn zur Räson, tobt es sich uneingeschränkt aus und macht alle verrückt. Das Gehirn ist ein vorlautes Organ und mächtig stolz auf sich. Nach Neureichenmanier tönt es in alles hinein, ungefragt. Läßt man es gewähren, übernimmt es die Herrschaft und kontrolliert die Prozesse des Lebens – leider ohne Weisheit. Denn das aufgeregte Gehirn ist ohne Weisheit: ohne Geist. Deshalb reicht denken nicht, denn das Denken weiß nicht viel. Zudem ist es langsam und mahlt sein Getreide nur, wenn es dazu angehalten wird oder einen Impuls verspürt, der von außerhalb kommt. Denken ist Nachgang, nicht Vorgang. Wie erwirbt man Geist? – Gar nicht. Unverfügbarkeit ist ein Stich- oder Schlagwort geworden, ein Qualitätsmerkmal oder -siegel, offenbar aktuell, was nicht wundert, da Verfügbarkeit eine Leitidee zeitgenössischen Lebens und diverser Lebensstile geworden ist. Siehe auch die Geräte, die Verfügbarkeit und die Unterwerfung unter deren Regeln gestatten und demonstrieren. Geistlosigkeit kennzeichnet die Debatten der aufgeregten Intelligenz und ihrer journalistischen Assistenz.
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