Weißwandreifen

Die sich entspinnende Liebesgeschichte zwischen Zelda und Francis im Film erinnert mich an die geisttötenden Bewerbungsriten, die ein jeder Absolvent der Schule der Liebe durchlaufen muß. Eine Art Spießrutenlauf für den Stolz. Springe über deinen eigenen Schatten, tue es vielmals, tue es für den guten Zweck. Kratze an der verschlossenen Tür, singe Lieder, spiele auf. Wie innig ich das getan habe, getrieben und innerlich bewegt. Das Gefühl bestand aus Dringlichkeit und Weh. Oft war ich von Sinnen. Welche Qualen wir durchleben, um glücklich zu werden wie versprochen. Und was für ein Glück. Dazu sprechen die Paare eigene Texte. Die Paarung zählt, dekretiert die Natur. Hauptsache da, applaudiert sie, wenn neues Leben entsteht und erscheint. Für die Deutung sind Menschen zuständig, Tiere brauchen das nicht. Ich bin kein Vergolder, tauge dazu nicht. Aber es gibt Stunden, die wiegen vieles auf. Am Ende sind wir einsam, las ich einmal oder hörte es. Das wiederum glaube ich nicht. Zelda, möchte ich ihr zurufen, nimm den Mittelstandstypen mit dem fetten Auto, nimm nicht den Schriftsteller.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Weißwandreifen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert