Es gibt diese Ideenklauer. Sie nehmen, wenn sie können, und sie können oft. Manche entwenden auch Formulierungen, erkennen sofort, wie ihr eigener Text oder die Rede, die sie demnächst halten müssen oder dürfen, zusätzlichen Glanz erfährt durch die Zugabe eines Satzes oder einer Passage, die sie soeben gefunden haben – ach, was für ein Glück. Fast schon Fügung. Niemand wird es merken, und falls es jemand bemerkt – man wird es verzeihen. Brecht hat es so gehalten, Fitzgerald hat es so gehalten. Sie haben nicht gefragt, sie haben genommen. Das entwertet nicht ihr Werk, aber es beschädigt ihre Integrität. Doch niemand käme dahin oder ginge so weit, Brecht für einen sonderlich moralischen Menschen zu halten. Auch F. Scott Fitzgerald schneidet schlecht ab – ich beschäftige mich gerade damit. Der Ehrgeiz der Aufstrebenden ist oft maßlos. Originalität ist rar. Manche schreiben gut, haben aber leider keine eigenen Ideen. – Es gibt auch Autoren, die geben im Gespräch nichts, buchstäblich gar nichts von sich, die hören nur zu, nehmen und speichern. Nein, das ist nicht schön. Aber sie haben es nötig, also sollen sie was bekommen. Vielleicht verwandeln sie es in Gold.
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