Daß das Leben eine Sklaverei ist, dämmerte mir bereits früh. Ich bestaunte meinen Vater in seinem Büro an seinem Schreibtisch, wie er Akten bearbeitete und in Diktiergeräte sprach. Ich blickte aus den Fenstern dieses Büros auf die Häuserwand gegenüber und mußte still sein, da er zu arbeiten hatte und ich bloß Zeit dort verbrachte, weil der Bus noch nicht fuhr. (Wir wohnten auf dem Land, Schule und Büro lagen in der Kreisstadt.) Zu der Zeit besuchte ich die fünfte oder sechste Klasse eines Gymnasiums, und als ich nach der vierten dorthin wechselte, weil ich auserkoren war, hatte ich Angst, fortan nie mehr spielen zu können und meine Freunde zu verlieren. So kam es denn auch. Tatsächlich verlor ich die alten Spielkameraden und fand neue. Ich wechselte die Seite, und das ist nicht zu vermeiden, wenn man ein Kind vom Land in die Stadt schickt auf ein Gymnasium. Ich bin halb Bauer, halb Bürger, aber von beidem nichts richtig. Daß das Leben eine Sklaverei ist, möchte ich nicht hinnehmen. Die bezahlte Erwerbstätigkeit bringt uns um, jedenfalls das, was umzubringen ist, sofern da etwas ist, aber wir haben noch nichts Besseres erfunden. Man darf sich wehren.
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