Selbstentwertung Ende

Ich denke, daß es „Aufgabe“ des Lebens ist, sich zu verdeutlichen – nicht, sich zu vermeiden oder zu verschleiern. Ja, ich gehe davon aus, daß ein einzelnes Leben etwas bedeutet und unaustauschbar ist. Wir sollten uns nicht verwechseln, nicht uns selbst mit irgendwem sonst. Wir sind einzigartige und unwiederbringliche Wesen. Es gibt mich nicht noch einmal, habe ich geschrieben – da war ich gekränkt. Die Kränkung hält an, nur speist sie sich jetzt aus anderen Quellen, nicht länger persönlichen. Wie unter einem Brennglas vergrößert C die existentiellen Fragen, so daß sie aufleuchten und glühen. Die Zivilisation, in der ich lebe und die auch mein Leben schützen soll, ist so groß und komplex, daß sie mich nur statistisch wahrnehmen kann. Das ist der Preis, den das Einzelne entrichtet, wenn es einem Großen zugesellt ist. Je größer das Große, desto kleiner das Kleine. Ich bin eine statistische Kleinheit, eine Registerexistenz, ein Posten im Kontor. Wenn ich mir von dorther Wert erpumpen will, kann ich das gleich vergessen. Bleiben wir also hübsch abstrakt. Das ist eine Tugend. Staat ist Ordnung, Ordnung ist kalt. Ich bin warm, ich lebe, ich atme. Ich werde nicht persönlich mit einem kalten Wesen. Sollen der Staat und seine lebendigen Repräsentanten tun, was ihnen aufgetragen ist; mögen sie dabei gut beraten sein. Ich soll hier funktionieren, und muß auch. Bloßes Funktionieren macht nicht froh. Ich ernähre mich von Zugaben und meinem Wahn. Der besteht darin, mich für unverwechselbar und einzigartig zu halten. Ich hoffe sehr, daß es anderen auch so geht.


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