Froh sein oder nicht

Den Jungen eignen Begeisterung und Enttäuschung, Gefühlsüberschwang und sprachlich die Lyrismen. Denn das Herz läuft über und die Welt tut weh. Später setzen sich Hoffnung und Erfüllung ins Einvernehmen. Das Ideale beginnt, dem Realen zuzuhören – manchmal wenigstens. Da muß viel Fracht gelassen, neues Gepäck aufgenommen werden. Sich dabei nicht verloren gehen! Die faulen Kompromisse von den annehmbaren unterscheiden. Auf Teufel komm raus kann man vielleicht Kunst machen, auf Dauer aber nicht ein Leben. Aber hart am Wind zu segeln ist gut für solche, die schnell und gefährlich unterwegs sein können und wollen. Den Spießer muß niemand fürchten. Der tut nichts, der wartet nur. Dann hat er immer schon gewußt. Man kann ihn grüßen, ein paar Worte wechseln – aber nicht eigens bekämpfen. Das baut ihn auf, dann fühlt er sich wichtig. Später trocknet das Schreiben ein, wird schildkrötenhaft und sentenziös. Darum fassen sich die Alten kurz, wenn sie schreiben. Die Hand mag zwar nicht zittern, aber die Kräfte schwinden doch. Sich kurz fassen ist eine Tugend. Manche Sätze schneiden wie ein Schwert. Nietzsche zitiert in seiner zweiten Unzeitgemäßen Betrachtung Giacomo Leopardi (1798-1837), der „zu seinem Herzen“ dies gesprochen habe: „Nichts lebt, das würdig / wär‘ deiner Regungen, und keinen Seufzer verdient / die Erde. / Schmerz und Langeweile ist unser Sein und Kot / die Welt – nichts andres. / Beruhige dich.“ Dem widerspreche ich lebhaft – oder möchte es tun. Aber es gibt Lagen und Läufe, da ist Verzweiflung das Ergebnis der ausstehenden Rechnung/Abrechnung.


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