Da ich, anders vielleicht als andere, nicht davon ausgehe, daß es „normal“ ist, am Leben zu sein, erscheint mir das Lebendigsein bemerkenswert und kostbar, zugleich jedoch gefährdet und begrenzt, woraus ich Schlüsse ziehen möchte, die mir jedoch nicht möglich sind, da eine Beunruhigung mich befallen hat, die damit zu tun hat, daß der Tod ausgeschaltet werden soll. Keineswegs faktisch, lediglich rituell. Das Leben arbeitet sich nicht länger am Tod ab, sondern am anderen oder besseren Leben. Der Tod bleibt unausweichlich, aber er hat aufgehört, interessant zu sein. Am Ende sterben die Verlierer, die Gewinner leben das entscheidende Weilchen länger. Endlich müssen auch sie scheiden, ehrlos vielleicht. Aber der Tod hat keine Höhe mehr, ist zum Unfall oder Versagen degradiert worden. Der Tod ist nicht länger der Ruf von woanders. Fast muß man sich schämen, wenn man stirbt, daß man stirbt. Ungemach. Aufwand. Beanspruchung. Schade um das schöne Geld. Bestattungskosten, Erbschaftsfirlefanz, Trauerveranstaltung. Kann man sich das nicht sparen? Man tut es bereits. Wir sind billig geworden.
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