Ein Lustobjekt meines amüsierten Denkens sind Verschwörungstheorien. Das sind Theorien darüber, wie sich was zugetragen haben könnte. Sie heften sich an, wenn herkömmliche und anerkannte Erklärungen eines meist spektakulären Ereignisses der Zeitgeschichte als unzureichend plausibel empfunden werden. Daß vor Verschwörungstheorien gewarnt wird, versteht sich – sie wirken dissoziierend und können den Wissens- und Erfahrungsstand einer Gesellschaft unterwandern. Auf solche Weise werden sie auch eingesetzt. Recht besehen handeln solche Theorien aber von Macht und Machtmißbrauch und stellen eine Vorbehauptung ins Feld, der schwer zu widersprechen ist. Information ist Macht. Daher ist Informationskontrolle das Hauptanliegen der Mächtigen und derer, die es werden wollen. Wer den Informationskrieg verliert, ist verloren. Folge ich solcher Logik, müßte bereits an der Quelle dessen, was geschieht und gleichsam ausfließt, die Kontrolle derer ansetzen, die bestimmen möchten oder müssen. Dies geschieht. Wir kennen dies als Sprachregelung – nicht zuletzt auch in Firmen, die gegenüber ihren Kunden etwas zu zeigen und – das folgt daraus – auch zu verbergen haben. Zeigen heißt ja verbergen. Dies alles läßt sich schnell erklären und ist nicht sonderlich raffiniert. Auch die Installation eines Terminus‘ namens Verschwörungstheorie ist nicht sonderlich bemerkenswert – wie sonst kann man einen Sammelbegriff prägen, der das in sich aufnehmen kann, was Spinner und Sinner sich zusammenbrutzeln, wenn die Wirklichkeit mal wieder sonstwas treibt, entlang der gegebenen Informationen. Amüsiert bin ich deshalb, um zum Schluß zu kommen, daß der Terminus Verschwörungstheorie nicht geeignet ist, Verschwörungen zu verhindern – und die Warnung vor Verschwörungstheorien eher dazu anleitet, sich endlich mal zu verschwören. Die Verschworenen hätten nämlich ein Schutzschild zur Hand, das ihnen so schnell niemand aus der Hand schlagen kann. Reichlich vertrackt. Stets sitzt irgendwer und grinst. Manchmal auch nicht. Wäre ich Verschwörer, würde ich vor Verschwörungstheorien warnen. Wäre ich Verschwörungstheoretiker, würde ich mich gegen mich selbst verschwören – um zu überprüfen, ob meine Theorie in der Praxis funktioniert. Alles unklar? Darin besteht die Aufgabe: nichts mehr zu verstehen, und wenn, dann falsch.
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