Regen, Blitz, Donner, Vollmond

Es regnet, ich sollte schlafen. Aber es regnet, wie könnte ich da schlafen. Auch der Regen ist in Mitleidenschaft gezogen, seit wir über ihn sprechen wie über einen, der demnächst antanzen muß zur Beweisaufnahme, oder ausbleibt. „Was sind das für Zeiten“, quälte sich Brecht und fragte zu Recht, „wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.“ (An die Nachgeborenen, 1938). Das hat sich gedreht; es ist nun kein Gespräch über Bäume und Regen mehr möglich, in denen nicht von Verbrechen die Rede ist. Die Verbrechen an den Menschen gingen jenen an den Pflanzen und Tieren voraus oder liefen gleichauf. Es regnet, und ich bleibe wach. Vollmondnacht. Ich liebe den Regen, habe ich heute geschrieben; besonders den leisen Regen, der sich Zeit läßt. Lebte ich in einem Zelt, dächte ich anders. Ich fürchtete, daß das Regenwasser den Zeltboden unterspült oder die Plane nicht ausreichend imprägniert ist. Natürlich habe ich versäumt, einen kleinen Abflußgraben um das Zelt zu graben, eine Sache von zehn Minuten.


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