Meine Jacke roch nach Lagerfeuer

Während der Fahrt im Zug dachte ich nicht. Ich fuhr rückwärts im Großraumwagen, rollte Berlin entgegen. Der Mann neben mir war unruhig und berührte mich oft, wälzte sich auf seinem Platz hin und her. Er hätte den Sopranos zugesellt sein können, damals, als die noch aktiv waren. Seine Bewegungen waren ausladend, vermutlich bemerkte er nicht einmal, daß seine Ellbogen dauernd meinen Arm berührten. Jedenfalls schien ihn das nicht zu stören, während ich immer weiter wich und mich auf meinem Platz gleichsam der Außenwand des Großraumabteils entgegenrollte, um nicht ein weiteres Mal die Soprano-Berührung zu spüren. Fast schon wurde ich wütend. Hin und wieder erhob er sich und stellte sich in den Gang. Setzte sich wieder, stand erneut auf. Versuchte zu schlafen, breitete sich aus, umfaßte seinen dicken Bauch. Faßte in die Tasche, berührte erneut meinen Arm mit dieser Griff-nach-dem-Telephon-Bewegung. Ich dachte nicht, ich fuhr rückwärts. Hätte nichts zu sagen vermocht. Hörte Musik, sah aus dem Fenster. Wolkenhimmel. Landschaft riß vorüber. Wir werden durch die Landschaft gerissen. Das denke ich jetzt, da ich an die Fahrt denke. Landschaft als Kulisse, neben mir dieser dicke ruhelose Soprano aus Amsterdam, denn von dort kam der Zug. Über uns im Gepäcknetz lag ein herrenloser Rucksack. Darauf machte er die Schaffnerin aufmerksam, die sich dafür bedankte. Vielleicht hatte er Angst vor einer Bombe, einem Anschlag, was weiß ich. Irgendwann kamen wir an in Berlin.


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