Tempelhofer Feld, grauer Sonntag

Ich bin seit langem nicht mehr auf dem Feld gewesen. Vorhin lief ich dort spazieren – und die Stimmungen des vergangenen Winters und des kalten Frühjahrs kehrten in mich zurück. Einsamkeit, Verlassenheit, Tristesse. Wann endlich wird es warm, wann läßt sich das, was ich tue, wirklich als leben empfinden. Wann immer ich konnte, lief ich dort hinaus, wo genug Platz ist für sonstwas. Manchmal hörte ich Musik, manchmal nicht. Kein schöner Ort, nur weit und ausgedehnt öde, ideal für einen Jurassic Park. Die Genetiker und Biotechniker kriegen das schon hin, ich bin zuversichtlich. Erst wird der Krebs besiegt, dann kehren die Dinos zurück. Meine Neigung zu Zynismus ist groß an diesem Sonntag, an dem ich noch nicht gelacht habe. Stattdessen habe ich mir eine halbe Stunde lang das sogenannte Triell der Kanzlerkandidaten angeschaut. Wohin man blickt – besorgte Spießbürger. Ich hab sie lieb, wenn sie mich in Ruhe lassen.


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