Gehe in Frieden

In der U-Bahn saß einer, der mit dem Kopf nickte und zuckte, als hätte ihn jemand sanft unter elektrischen Strom gesetzt. Der Kopf ging hin und her, von seinen Lippen kamen Geräusche, die noch nicht Wörter waren oder Aussagen ergaben, kurz davor scheiterten. Ich mochte ihn sofort. Das Erstaunliche war, daß er in diese Kopfnickerei und Oberkörperwiegerei nur geriet, wenn die U-Bahn wieder fuhr. Hielt sie an und Leute stiegen ein, sah er sie an und hielt still. Er trug keine Maske, hatte ein schönes Clochard-Gesicht. Das Brötchen, das in der Hand hielt, fiel ihm herunter. Da lächelte er, hob es auf, sah es an. Ließ es erneut fallen. Wollte ich einen Film drehen, wäre er mein Hauptdarsteller. Blonder Bart, buschige Augenbrauen, wildes Haar, Seefahrerpullover, weite Hose, halbwegs gehtüchtige Schnürstiefel, eine Decke dabei für die spontane Übernachtung (Freunde). Er war ein bißchen irre oder auch nur verzückt, aber das Rucken und Nicken seines Kopfes war zu auffällig, als daß irgend jemand im Zug zu ihm sah. Möckernbrücke stand er auf und verließ den Waggon, nachdem ihm Yorckstraße etwas zu bedeuten schien, einstmals vielleicht, lose Erinerungen.


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