Vollmondnacht

Wie sollte ich schlafen, wenn der Mond dort oben steht und zugleich doch unruhig wandert. Läßt sich die Romantik beerben, und wozu? Wen kann man fragen – ach, so viele. Nick Cave könnte man fragen, die Mysterie-Serien-Schöpfer, die Fraktionen der Road-Movie-Enthusiasten, den Geist von Leonard Cohen, oder die Seele meiner großen Liebe. Frag‘ in alle Richtungen (wie ein Gebet) – vielleicht gibt es Antwort. Das geschäftige Leben des Tages benötigt Geistesgegenwart und fordert Handlungsvollmacht, aber die Nacht hegt andere Ansprüche. Das Tagesgeschwätz gilt in ihr wenig, es wird zur Seite gelegt wie Geschmeide. Der schnelle Takt ist ausgebremst. Die Phrasen des Funktionierens und eiligen Geltens sind ungültig erklärt. Nacht dehnt sich aus wie ein Kissen, ergibt sich dem Schlummer, der Träumerei. Absichtslosigkeit ist ihr Heiligstes. Du darfst nicht wollen, dann gelingt’s. Tagsüber sollst du wollen oder willst du sollen, das ist üblich. Leistungen werden bewundert, vor allem, wenn sie auf Selbstüberwindung beruhen. Nachts gelten solche Leistungsideen nichts. Die Nacht fordert eigenes Recht oder läßt es gelten. Wenngleich sie insgesamt oder alles in allem gleichgültig ist. Nachts werden Leute ermordet, wie tagsüber auch. Nachtleben meint Konsum und Saufen, oder Sex für Geld, oder Kasino, oder Fahren entgegen der Fahrtrichtung, alkoholisiert und beschleunigt. Aber das ist fast schon tot. Und was hätte der Tod mit der Nacht zu tun oder sie mit ihm? Tagsüber sehen sie es, nachts nicht. Ab in den großen Wald!


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