Samstag, 17.30 Uhr, nahe Jannowitzbrücke, niemand sonst unterwegs

Die Krähen zeigten sich unwirsch. Ich kam zur Unzeit. Sie saßen auf den Gehwegplatten kurz vor Abflug, hatten dies und das noch zu besorgen. Es dämmerte längst, es blieb ihnen wenig Zeit, in die Schlafbäume zu fliegen. Noch war es nicht soweit, es gab ja noch Licht, letztes Licht der Sonne. Der Sonnenuntergang ist dem Volk der Krähen bekannt, aber sie, die sie ihm angehören, nehmen sich ein wenig mehr heraus. Solange man sieht, kann man auch fliegen. Ich lief durch sie, die noch saßen und sonstwas zu bereden hatten, hindurch. Sie hüpften zur Seite, ein wenig jeweils und wie es sich gehört. Nur die Chefin nicht, die machte nicht Platz. Ich mußte an ihr vorüber, lief auf sie zu. Keine Bewegung. Das war unheimlich. Ich wich aus, umkreiste sie in gebotenem Abstand. Sie rief mir nach, ich hob den Arm und drohte rückwärts. Vor mir wichen erneut welche aus – die hatte sie gewarnt. Ich traue den Krähen einiges zu. Manchmal bekomme ich eine Gänsehaut.


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