Schöne Menschen

Manchmal ist in mir ein tosendes Schreien meiner Liebe zum Leben. Ich könnte in die Luft fahren vor Freude, daß ich leben darf und mit allen Sinnen verstehen, was hier los ist. Nicht unbedingt eine Freude über vereinzelt das, was los ist, sondern eine Freude, daß ich es sehen und verstehen kann. Ja, die Menschen sind ängstlich oder eingeschüchtert oder leben versteckt und ducken sich vor dem nächstangekündigten Schlag – aber sie sind hier und jetzt, wie nicht anders ich, in diesem wunderschönen und streckenweise grausamen Schauspiel namens Leben, in dem man sich behaupten und zur gegebenen Zeit aufstehen muß, damit die Kontroll- und Zuordnungsmächte nicht allein bestimmen, wohin die eigene Reise geht. Sie rechnen mit mir, rechnen mit meiner Trägheit, Feigheit, meinem Stillehalten, meiner Duldsamkeit, und ganz recht, und einige wenige davon sind Tugenden des Verzichts und der Rücknahme vitaler Eigeninteressen zugunsten des großen Ganzen, und über dieses große Ganze werden wir miteinander ins Gespräch kommen müssen, damit es nämlich nicht eine Installation des Schreckens wird – aus Hilflosigkeit möglicherweise. Wir sind nicht hilflos.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Schöne Menschen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert