Ich schreibe nicht erst seit 2015 Texte. Daß das Ende der Freiheit gekommen war, ließ sich nach dem 11. September 2001 studieren. Die fixe Idee damals lautete: war on terror. Die politische Weltgesellschaft der Lauten, Verstärkten und Gehörten drängt es in unregelmäßigen Abständen in solch irrsinnige, verlustreiche und zum Scheitern verurteilte Großmissionen. Mit vollem Nachdruck und der gesamten zur Verfügung stehenden Kommunikationsmacht geht es dann durch und über alle Kanäle in einem fast pausenlosen Dauerfeuer auf die Sinne und in die Emotionen des Massenpublikums, das insofern wichtig ist, als wir in Demokratien leben und politische Entscheidungen durch Mehrheitsbeschlüsse gedeckt sein müssen. Ich will sagen: ich wurde bereits etliche Male bearbeitet – ich kann sie kaum mehr zählen. Vielleicht mache ich morgen oder übermorgen eine kleine Liste auf, in der dann zu finden sein wird, was ich als gut, gerechtfertigt oder akzeptabel ansehen sollte. All diese Projekte, gigantische Summen an Lebensleistung, Mühe, Intelligenz, Schweiß, Blut und Schmerz kostend, sind gescheitert. Wir dürfen anfangen, vorsichtig zu werden, wenn ein Krieg mit allen Mitteln geführt werden soll. Und wer ist jetzt der Feind? Zurück zur Freiheit – sie wird verhöhnt und in Richtung Eigensinn und Egoismus verschoben. Daher weiter unten das Miller-Zitat. Ich denke darüber nach, es läßt mich leben. Das Buch lag da zufällig. Und zufällig passieren die schönsten Dinge. Ich kann es gar nicht fassen. – Übrigens gut, daß wir uns jetzt streiten! So werden wir sichtbarer und können erkennen, was in uns steckt.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.