Rakete

Es würde nicht „lohnen“, älter zu werden, bliebe man beschränkt und klein, automaten- oder reflexhaft, dauernd sprungbereit und schnappte zu, wenn die Wurst vor dem Maul baumelt, ein konditioniertes Hündchen, Äffchen, eine Schnappfigur, eine Jahrmarktsattraktion. Wird allerdings in Permanenz das Neue und Unerprobte propagiert, gerät älteres und ältestes Wissen „außer Mode“. Erst schämt man sich seiner, endlich landet es gleichsam auf dem Müll („Entsorgung“). Solcherart gereinigt steigt man auf ins ewige Jetzt, eine Derzeitbühne, wir nennen sie noch immer „Moderne“. Moderne ist ein Spektakel, permanente Revolution, Überbietungswettbewerb. Moderne funktioniert nicht mit den Alten und dem Alten. Moderne funktioniert besser mit den Jungen. Man muß sie so gestalten, daß die Alten sich schämen, alt zu sein, und die Jungen verstehen lehren, daß sie bereits genug wissen, um im Namen des „eigenen Fortschritts“ zu bestimmen und herrschen zu dürfen. Alt zu werden führt ans Limit. Das Ganze gleicht einem Förderband, wie man es aus der Produktion kennt. Oben angekommen kippt das Material in die bereitgestellten Container. Um mitspielen zu dürfen, joggen die Alten durch die Wälder und benutzen Stöcker, um ihren Kreislauf hochzujagen, tragen auch bunte Sondermüllbekleidung, um allwettertauglich zu sein auf ihren Expeditionen in den Stadtwald. Wer das Hamsterrad nennt, beleidigt die Hamster.


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