In der Jungle World ein Gespräch mit Annette Grotkasten von der Hannoveraner Punkband Bärchen und die Milchbubis. Jung kaputt spart Altersheime sangen sie 1980. Im Interview spricht Grotkasten über den Lebensstil der Punks: „Sehr, sehr viel Alkohol. Aber auch kein Geld zu haben und irgendwelche obskuren Jobs zu machen, um Geld zu verdienen. Und eine Einsamkeit und Verlorenheit trotz Freunden oder Band oder Mitbewohnern. Ich habe mich sehr einsam und verloren gefühlt, sonst hätte ich auch nicht so viel saufen müssen. Oder vielleicht hab ich mich verloren gefühlt, weil ich so viel gesoffen hab (lacht).“ In neuerer Zeit treten sie wieder auf, die Zeiten haben sich geändert, aber es gibt Ähnlichkeiten zwischen der No-Future-Zeit und der Gegenwart: „Ich glaube, es hat damit zu tun, dass die Stimmung so ähnlich ist. Es ist alles so schwer, so bleiern, alles ist so zerrüttet, und das ist so ähnlich wie Ende der Siebziger. Damals war die Anti-Atomkraft-Bewegung kriminalisiert und zerschlagen, es gab den Deutschen Herbst, ein Misstrauen gegenüber Polizei, gegenüber Politik. Und dadurch eine Verunsicherung: Wo stehe ich, wie geht mein Leben weiter? Klima und Klimakatastrophe waren in den Siebzigern auch schon Themen, man hat sich mit dem Waldsterben beschäftigt, mit der Ölkrise. Und jetzt sind diese Themen alle wieder da.“
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.