„Elinor hat ein Bild vom jungen Hamsun mitgebracht. Es hängt jetzt über meinem Bett gegenüber unter dem Fernseher, und der Gesichtsausdruck des Fünfzehnjährigen erinnert mich auf sehr sonderbare Weise an das, was ich ursprünglich einmal gewollt habe im Leben. Der trotzige, hellwache, angewiderte Blick, die Erkenntnis, dass diese Welt eine Zumutung ist, und der ablesbare Wille, ihr beizeiten noch mit der Axt den Schädel zu spalten. So gut wie Hamsun habe ich nie ausgesehen, aber ich weiß noch sehr genau, wie sich dieses Gesicht von innen anfühlte. Ich weiß auch noch, wie ich beim Erwachsenwerden den Verlust dieses Ausdrucks empfand, den Verlust von Tiefe und Sensibilität, und mit welchen theatralischen Gesten ich diesen Verlust mit Anfang zwanzig zu kompensieren versuchte.“
Wolfgang Herrndorf, Arbeit und Struktur (Rückblende Teil 2: Eine Nacht)
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