Das Dorf, aus dem ich stamme, hatte zu der Zeit, von der ich spreche, etwa 365 Einwohner. Soviele Menschen wie Tage das Jahr, das war gut zu merken. Heute leben dort mehr als hundert Menschen weniger, und vor kurzem starb der letzte der Zwanzigerjahrgänge, Heinrich L. Er wurde dreiundneunzig Jahre alt. Ich kenne ihn als einen Mann um die fünfzig, der einen Hof bewirtschaftet und freundlich grüßt. Einmal gab eine seiner beiden Töchter eine Party, da durfte ich teilnehmen, ich war schon fünfzehn, und da verliebte ich mich. Sie (keine der beiden Töchter) war älter, ich verriet niemandem etwas. Seitdem, das möchte ich schreiben, weiß ich, was es bedeutet, verstrahlt zu sein. Ich war es und bin es manchmal noch. Jetzt kann ich lachen, ein bißchen schon, aber damals war es die Hölle – eine unendliche Pein ohne Aussicht auf Erlösung durch Befreiung oder Erfüllung. Ein Abgrund, ein Schlund, die Verdammnis. Du denkst zuviel, sagte sie mir einmal, Jahrzehnte später.
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