Des weiteren gefällt mir am „Ottawa-Projekt“, daß journalistische Berichterstattung überprüfbar wird. Hier die Meinung, dort die Belege. Die Freizeitberichterstatter, wie ich sie bereits genannt habe, die „Youtuber“, laufen Tag für Tag und Nacht für Nacht die Straßen entlang und finden Zugang zu jenen, die dort sind, um auf etwas sehr Wichtiges aufmerksam zu machen, nämlich auf Unterdrückung und Aussonderung, auf Exekutiv- und Gewaltmaßnamen des Staates („mandates“). Die großen Stationen des kanadischen Medienbetriebs kommen mit Teams und filmen das ab, aber die Berichte, die hernach erscheinen, bedienen das Narrativ. Ich selbst kenne solche Geschäfte ein wenig, war einst einmal mit Teams (Kamera und Ton) unterwegs, und wir hatten jeweils einen redaktionellen Auftrag. Paßten die Bilder nicht, ergab die Empirie vor Ort nicht das, was von oben erwünscht bzw. verkauft werden sollte, gab es Streß. Man darf sich ein bißchen mehr in die Hierarchien des berichterstattenden Gewerbes und deren Gepflogenheiten (Logiken), insbesondere das Nachrichtenformat, einarbeiten, ehe man für bare Münze nimmt, was über diesen Informations- und Bildhandel vertrieben wird. Das gilt jedoch in beide Richtungen. Ich mag die bereits weiter unten genannten Berichterstatter via Youtube wegen ihrer offensichtlichen Unprofessionalität und ihrer offenkundigen Sympathie für diese mächtige Bewegung der Trucker. Sie sind mit Herzblut dabei, politisch unerfahren, aber neugierig. Sie lassen die Leute sprechen, sie haben Zeit. Die Profi-Teams der großen und und deshalb teuren Sendeanstalten haben das nicht. Wichtig zu verstehen ist: die Richtung (Tendenz) eines „professionellen“ Schnellberichts (live vor Ort) steht im vorhinein fest. Die ausgeschickten Teams sammeln lediglich Belege. Deshalb sind die Trucker „alert“, wenn diejenigen mit den größeren Kameras und im Team (drei bis vier Leute, Equipment, Kabel) anrücken. (Jetzt wirst du verkauft. Gut, wenn für dich was dabei herausspringt. Stell dir vor, jemand kommt in deinen Garten und beginnt zu filmen, oder in dein Haus, und während du ihnen brav und freundlich Auskunft gibst, sammeln sie belastendes Bildmaterial. Du hast keine Chance.) Ich war Teil solcher Praxis oder sollte es werden. Lange her, 1991. Die Unschuld der Bilder gibt es nicht, auch nicht bei den Hobby-Leuten dort draußen in Nacht und Kälte, aber am ehesten noch bei ihnen. Ich verfolge jetzt noch ein bißchen die Bilder von dort und hoffe noch immer, daß alles gut ausgeht und ein Arrangement gefunden wird, mit dem die Trucker wirklich weiterleben können und wir auch.
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