Früher gab es diese Schwärmerei für „Künstler und Intellektuelle“. Man traute ihnen zu, daß sie fern der üblichen Machtkonzentrationen und des gemeinen Geldes eine unabhängige moralische und geistige Instanz darstellten. Zu solch hohem Ansehen hatten einige von denen beigetragen, deren Selbstverständnis auf das hinauslief, was die Gruppenbezeichnung nahelegt: der Wahrheit der Künste sich verpflichtet wissen und ihr zu dienen mit den Möglichkeiten des freien Denkens und erworbener moralischer Integrität.
Fasziniert sehe ich zu, wie seitdem – und ganz allmählich – Geld und Geist zueinander gefunden haben und sich freundlich verbunden wissen. Wie konnte die Quadratur des Kreises gelingen? Sie scheint derart gelungen zu sein, daß der in die Jahre gekommene Fortschritt exhumiert, revitalisiert und ein weiteres Mal mobilisiert worden ist. (Mitte der Achtziger war er mausetot.) Lauter Sprünge ins, wie gesagt wird, kontrollierbar Unbekannte sind seitdem kapitalträchtig auf Vergleichsgrößen (benchmarks) gebracht und propagiert worden. So kann das Geld heran und sich anheften.
Zum guten Ende soll alles mit allem vergleichbar sein – übrigens mit den Mitteln einer idealen Sprache. Diese ideale Sprache bedient sich der Mathematik, nährt sich von derem Renommee, und führt Nützlichkeitsparameter und Wertberechnungen in das „unschuldige Leben“, das sich wehrlos wähnen muß, da es mittlerweile die Spatzen von den Dächern pfeifen. Nämlich das Aktuelle, also das Richtige, also das Gebotene, also das, bei dem man dabei sein will – sondern muß.
Hier kommt die Moral ins Spiel. Das Geld hat sich inzwischen dem Guten verpflichtet und wickelt dort einen Teil seiner Geschäfte ab. Die Verbesserung, wenn nicht gleich Rettung der Welt durch massiven Kapitaleinsatz in ausgesuchten Sparten, begleitet von politischem Agenda-Setting über die bekannten und bewährten Kommunikationskanäle. Keines der großen Themen scheint mehr ohne diese noch halbwegs neue Harmonie auszukommen. Bis es langweilig wird – dem Geist doch wohl zuerst.
Was pfeifen denn die Spatzen von den Dächern? Sie pfeifen nicht von den Dächern – sondern aus dem Gebüsch. Spatzen sitzen nicht auf Dächern, das Sprichwort irrt. Sie lieben das Sandbad und sind dort, wo viele miteinander sein können. (Die Amsel setzt sich manchmal auf den Dachfirst und sagt allen, daß dies ein Tag war und nun die Nacht beginnt, auch will sie kundtun, daß sie es ist, die solches gesehen und gesagt hat.) Die Spatzen sind demokratisch, diebisch und geschwätzig, wissen viel und sagen es auch.
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